Aus aktuellem Anlass: Plagiat

In den letzten Tagen ist viel über die Bedeutung von ehrlichen Zitaten und Belegen in wissenschaftlichen Arbeiten zu lesen und zu hören. Anlass ist die Doktorarbeit des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, die sehr viele Stellen aus anderen Texten enthalten soll, welche unzureichend oder gar nicht als Zitate belegt worden sind, nachgewiesen zum Beispiel im GuttenPlag Wiki. Spiegel Online schreibt von der „Plagiatsaffäre“ und immer mehr wird zudem der Verdacht laut, dass der Minister die Arbeit nicht selbst geschrieben hat. Dieser nennt den Plagiatsvorwurf abstrus und beteuert, dass die Anfertigung der Arbeit seine eigene Leistung gewesen wäre. An Rücktritt denkt er (noch) nicht.

Laut meinem Wahrig-Wörterbuch ist unter „Plagiat“ der „Diebstahl geistigen Eigentums“ bzw. die „Veröffentlichung des geistigen Werkes (oder eines Teils davon) eines anderen als eigenes Werk“ zu verstehen. Und ich schließe mich der Meinung an, dass es nichts anderes ist, wenn in einem Text etwas steht, was schon in einem anderen stand und kein Leser diesen Zusammenhang erkennen kann. In einer Doktorarbeit als zweitwichtigster wissenschaftlicher Arbeit wiegt dieser Vorwurf meiner Meinung nach besonders schwer, da die richtige Wiedergabe von Quellen, das Wichtigste ist, was man an der Uni zum wissenschaftlichen Arbeiten lernt.

Bei der Bearbeitung von Aufträgen ist mir die Offenheit meiner Kunden wichtig: Wenn mir jemand sagen würde, dass er Schwierigkeiten mit dem richtigen Belegen und Zitieren anderer Texte hat, habe ich keine damit, entsprechend unterstützend tätig zu werden. Denn Belege und Zitate sind ja nichts Verwerfliches, sondern machen oft die Qualität einer Arbeit aus. Ebenso ist es fast immer möglich, aus einer Textstelle mit einem langem Zitat eine selbstformulierte mit einem Quellenbeleg zu machen.

Kontrolliert, ob ein Text Plagiate enthält, habe ich bisher nicht. Das sehe ich – außer bei einem ausdrücklichen Kundenwunsch – auch nicht als meine Aufgabe an. Bisher habe ich mir auch Kommentare enthalten, wenn mir bei meinen Recherchen zum Inhalt entsprechende Stellen aufgefallen sind. Das werde ich eventuell ändern.

Quellen:
Spiegel Online:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746654,00.html

http://www.spiegel.de/thema/wissenschaftsplagiate/

Wahrig Deutsches Wörterbuch (2008). hrsg. von Renate Wahrig-Burfeind. 8. vollst. neu bearb. und aktual. Auflage, Wissen Media Verlag, 1144.

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1 Kommentar zu „Aus aktuellem Anlass: Plagiat“

  1. Sebastian Kr sagt:

    Zitate zu kennzeichnen ist eben der Job des Autors. Im Moment werden ja auch Rufe gegen die Uni Bayreuth laut und obwohl ich den Prüfern auch eine gewisse Nachsicht nicht absprechen will, die sie mit Guttenberg wohl gehabt haben – Deren Aufgabe war es auch nicht nach falschen Zitaten zu googlen. Die Sache ist wirklich mehr als peinlich.

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